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Ein Gegenkommentar zum KSTA-Artikel von Uli Kreikebaum über das Manu-Chao-Konzert in Köln
Manchmal fragt man sich, ob wir auf dem gleichen Konzert waren.
Am 9. Juni 2025 spielte Manu Chao in Köln – ein intimes, lebendiges, politisches und musikalisch reduziertes Set, das genau das tat, was es versprochen hatte: es ging zurück zum Wesentlichen. Und doch ließ sich Uli Kreikebaum im Kölner Stadtanzeiger zu einem Konzertbericht hinreißen, der nicht nur am musikalischen Konzept vorbeischrammt, sondern auch seltsam kühl, fast schon despektierlich wirkt. Hier der Artikel
Kreikebaum schreibt von „Refrains in Endlosschleife“, von der „Leichtigkeit des Seins“, die angeblich nicht aufkam, und von einem „akustischen Set“, das ihm wohl zu wenig Spektakel bot. Was dabei völlig untergeht: Genau diese Reduktion ist es, was Manu Chaos aktuelles Projekt ausmacht. Akustisch. Roh. Nah. Ohne Firlefanz.
Der Autor kritisiert, dass viele typische Soundeffekte, die man von Studioalben kennt – von Radiodurchsagen bis zu Geräuschkulissen – auf der Bühne fehlten. Aber genau das ist der Punkt. Wer sich vorab mit der „Ultra Acoustic“-Tour beschäftigt hat, wusste: Es geht um Nähe. Um Direktheit. Um Musik als Gespräch – nicht als Showeffekt. Vor allem aber geht es nicht um Soundeffekte aus der Dose.
Dass Chao nur mit kleiner Band, fast komplett unplugged, mit minimalem Setup auftritt, ist kein Mangel, sondern eine bewusste Entscheidung. Eine Einladung, ihn als Mensch und Musiker zu erleben – nicht als Zirkusdirektor.
Wer in Köln dabei war, hat es gespürt: Die Energie war da. Das Publikum hat getanzt, geschwitzt, gesungen. Da war keine Trägheit, kein Leerlauf, keine „leere Leichtigkeit“. Da war Leidenschaft, Rhythmen, Widerstand. Und vor allem war da ein Künstler, der sich – ohne Allüren – dem Moment hingibt. Der keine Trennung braucht zwischen Bühne und Zuschauerraum, sondern mittendrin ist. Mit uns.
Wenn Kreikebaum also schreibt, das Ganze habe ihn an eine Karnevalsveranstaltung erinnert – dann mag das eher über seinen eigenen Zugang zur Musik sprechen als über das Konzert selbst.
Seltsam wirkt auch der Schlenker zum Nahostkonflikt in Kreikebaums Text. Chao äußert sich kurz und klar: „Peace for Palestine“. Kein Pathos, keine Polemik – nur ein Wunsch nach Frieden. Doch der Artikel driftet ab, spricht plötzlich von der Hamas und von getöteten Menschen, die das Konzert „nicht mehr erleben konnten“. Das wirkt nicht nur deplatziert, sondern auch manipulativ – als wolle man die politische Haltung des Künstlers moralisch unterlaufen.
Man kann sicher darüber diskutieren, wie und wann Musiker sich politisch äußern. Aber das Konzert war keine politische Veranstaltung mit erhobenem Zeigefinger – es war ein musikalischer Abend mit Haltung. Und genau das brauchen wir mehr denn je.
Manu Chao hat sich nicht neu erfunden – er hat sich zurückgenommen. Und damit genau das geschaffen, was viele Menschen gerade suchen: Verbindung. Echtheit. Wärme.
Der Artikel von Uli Kreikebaum dagegen wirkt, als hätte ihn jemand geschrieben, der einen aufgeräumten Stadtpark erwartet hat – und stattdessen im dichten Dschungel stand. Orientierungslos, überfordert, gelangweilt.
Aber vielleicht muss man sich einfach mal auf das Chaos einlassen, wenn man Manu Chao wirklich verstehen will.
Nikolai Fischer ist Gründer von Kommune3 (seit 2007) und führender Experte für die Verbindung von Software-Entwicklung und Unternehmertum. Mit 17+ Jahren Erfahrung hat er hunderte von Projekten geleitet und erreichte #1 auf Hacker News. Als Host des Podcasts "Kommit mich" und Gründer von skillution verbindet er technische Expertise mit unternehmerischem Denken. Seine Artikel über moderne Webentwicklung und systematisches Problem-Solving haben tausende von Entwicklern beeinflusst.
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